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Ist man mit 18 wirklich klüger als mit 16? Und was ist mit 34?

Von:

Daniel Ordás


Datum: 09.01.2009 23:29:18
Kategorie: Kantonale Politik
Kommentar: 1

Am 8. Februar entscheidet die Schweiz über ihre Zukunft und ihr Verhältnis zu Europa mit der Frage der Verlängerung und Ausweitung der Bilateralen Verträge mit der EU. Am selben Tag entscheidet da Basler Stimmvolk, wer in Zukunft das Basler Stimmvolk sein soll. Die Abstimmung droht neben der grossen Bundesvorlage und vor allem mangels Abstimmungskampf unterzugehen.

Mit der Annahme der Initiative "Wählen ab 16" kann der Kanton Basel-Stadt nach dem Kanton Glarus als zweiter Kanton der Schweiz die Anliegen der Jugendlichen nicht nur ernst nehmen, sondern sie auch von diesen selbst formulieren lassen. Anders als in Glarus fordert die Initiative nicht das volle Stimm- und Wahlrecht mit 16, sondern nur das aktive Wahlrecht. Das bedeutet, dass die Jugendlichen nur berechtigt sind, an den Abstimmungen und Wahlen ihre Stimme abzugeben.

Wie bei fast allen Vorlagen gibt es auch bei dieser Abstimmung wohl Leute die dagegen sind. Es hat eine gewisse Tradition, dass sich die Gegner von Erweiterungen der Wählerbasis sich vornehm zurückhalten und auf das Bauchgefühl der bereits wahlberechtigten hoffen, das war bei den Vorlagen für das Frauenstimmrecht so, das war bei den Vorlagen für das Ausländerwahlrecht so und das war natürlich auch bei der Senkung des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre so. Niemand will riskieren der "Gegner" gewesen zu sein, wenn die Bekämpften am Ende doch noch zu Wahlberechtigten werden sollten.

Initiativen haben es immer schwer, besonders schwer haben sie es naturgemäss, wenn diejenigen die es am meisten betrifft sich nicht äussern dürfen. Die Gegner können ohne Abstimmungskosten und –aufwand ihren Zettel in die Urne (ins Couvert) legen und mit verdecktem Visier den Ausgang der Abstimmung abwarten. Argumente erübrigen sich in einer solchen Abstimmung, weil kein Gegner sich outet.

Ich hoffe sehr, dass die Initiative angenommen wird, wenn sie aber abgelehnt werden sollte, dann hoffe ich wenigsten, dass davor eine echte und faire Diskussion stattfindet. Es würde mich nämlich wirklich interessieren, wieso jemand dagegen sein kann, dass unserer eigenen Töchter und Söhne über ihre eigene Zukunft mitentscheiden.

Die Jugendlichen sind heute immer früher mit Fragen konfrontiert, die sich den Generationen vor ihnen erst viel später stellten. Nicht nur die immer wieder zitierte Vorverlagerung der sexuellen Aktivität, auch die existentiellen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Berufswahl, der zunehmende und immer früher einsetzende Konkurrenz- und Leistungsdruck, all dies beweist, dass Jugendliche nicht nur in der Lage, sondern auch in der Pflicht sind, in jungen Jahren wegweisende Entscheide zu treffen.

Das einzige Gegenargument, welches ich bisher gehört habe ist, dass sich die Jugendlichen ohnehin nicht für Politik interessieren. Dieses Argument ist so selbst-zerstörerisch, dass ich es eigentlich gerne unkommentiert wirken lassen würde. Dennoch kann ich es nicht lassen!

Wie kann ein Wahlkörper, der sich nur zu 34% an die Urne wälzt, jemanden ausschliessen, weil er vermutet, dass dieser sich noch weniger interessieren würde? Mit diesem Argument könnten wir die Demokratie gleich ganz abschaffen, denn die Wahlberechtigten zwischen 18 und 106 Jahren interessieren sich erwiesenermassen auch nicht für Politik.

Noch viel absurder ist aber die zwei Komponente er Aussage. Haben die Verbreiter dieses Arguments ernsthaft die Hoffnung, dass unsere Jugend sich durch Ausgrenzung und Ablehnung mehr für unser Gemeinwesen und unsere Politik interessieren wird?

Ich hoffe, den Gegner fallen doch noch ein paar bessere Argumente ein, wenn nicht, schaue ich der Abstimmung gelassen entgegen, wenn da nicht das Bauchgefühl derer wäre, die glauben, dass sie etwas verlieren, nur weil andere etwas dazu gewinnen.

Kommentar:

Jan : 29.01.2009 15:12:52


Die Gegner outen sich nicht? Schau dir mal den Parolenspiegel an auf
http://www.onlinereports.ch/Parolen.30.0.html.

Weil Du Dir noch Gegenargumente gewünscht hast, liefere ich jetzt noch ein paar. Das erste kommt von einem Kollegen aus dem Sportverein: Es sollen nicht noch mehr Leute wählen dürfen, die keine Steuern zahlen. 16jährige haben ja noch keine Ahnung, was das heisst, schaffen und Steuern zahlen.
Die stimmen dann wieder mit den Linken, und dann ist die bürgerliche Freiheit am Ende (z.B. jene der Steuerhinterziehung).

Der Gewerbeverband wiederum weist auf das Problem hin, dass auf eidgenössischer und kantonaler Ebene ein unterschiedliches Stimmrechtsalter bringen könnte: "Eine unterschiedliche Handhabung der politischen Ebenen würde für Verwirrung sorgen".
Mit einem mangelnden Vertrauen in die Jugendlichen habe das nichts zu tun. Ach ja. Mit Inteessenspolitik und einem Verlust an Wählerbasis sicher auch nicht.



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