23% der Vertretenen wählen 100% der Vertretenden

23% der Vertretenen wählen 100% der Vertretenden

Eine grossartige Grafik der BZ über die tatsächliche Sitzverteilung im Grossen Rat, wenn er die Bevölkerung vertreten würde, so wie sie sich in der Realität darstellt.

Nichtwähler 32 Sitze

Ausländer 30 Sitze

Kinder 15 Sitze

Das ist natürlich etwas pointiert, aber tatsächlich vertreten unsere Vertreter über 75% Menschen, die nicht entscheiden wollen oder dürfen, wer sie vertreten soll.

Auf die tatsächliche Bevölkerung berechnet, würden die abgegebenen Stimmen in dem 100-köpfigen Parlament weiter ergeben:

SP 7 Sitze

SVP 4 Sitze

LDP 3 Sitze

FDP 3 Sitze

Günes Bündnis 2 Sitze

CVP 2 Sitze

GLP 1 Sitz

 

Die Kinder und AusländerInnen können nichts dafür, dass sie ihre Vertreter nicht wählen dürfen und über kurz oder lang wird man in beiden Bereichen Änderungen anstreben müssen, um die Legitimität des Parlaments zu erhöhen. Es kann nicht sein, dass ein demokratisches Parlament nur von 55% der Bevölkerung gewählt werden darf.

Viel schlimmer finde ich die 32 Sitze, die an die Nichtwähler gehen. Diese Leute dürfen wählen, nicht wie die Kinder und Ausländer. In Deutschland, Spanien oder England würde man sich fragen „Was machen die Politiker falsch, dass 60% derer, die wählen dürfen, nicht wählen?“. Ich finde diese Frage in Deutschland, Spanien und England dumm, weil sie suggeriert, dass das Volk eine dämliche Schafsherde ist, die einmal alle vier Jahre entscheiden darf, welcher Hirte sie führen soll. Leider wird das in vielen Repräsentanzdemokratien auch tatsächlich so empfunden und gelebt. Diese Sichtweise ist in Deutschland, Spanien und England falsch und muss sich ändern, in der Schweiz ist diese Sichtweise noch falscher und noch dümmer.

Es gibt „die Politiker“ nicht, die uns belustigen und führen müssen. Wenn in der Schweiz Leute nicht wählen, verstehe ich es nur bei Anarchisten und Ur-Liberalen, welche den Staat und seinen Hoheitsanspruch per se ablehnen. Das dürften aber in Basel maximal 1% der Wahlberechtigten sein. Warum wählen die anderen 59% Wahlberechtigten nicht?

Ist ihnen irgendein Politiker etwas schuldig?

Muss jemand für sie eine prickelnde Show machen, damit sie voten?

Sind alle 763 Kandidierenden schlecht, die 59% Nichtwähler merken es, wären eigentlich selber viel besser, haben aber keine Lust etwas selber zu machen?

Oder ist das Nichtwählen evtl. auch ein Vertrauensbeweis im Sinn von „Ihr macht das super, ich will da nichts falsch machen durch eine ungeschickte Wahl“?

Keine Ahnung, aber irgendwie stimmt es mich schon etwas traurig, dass die 100 Menschen die 100% der Baslerinnen und Basler vertreten sollten, nur von 23% der Bevölkerung gewählt werden.

 

Lesenswert in der BZ: http://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/in-basel-stadt-geht-nur-ein-bruchteil-der-bevoelkerung-waehlen-130655031

Daniel Ordas

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By Daniele Zedda • 18 February

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