Übernimm Verantwortung, weil du es kannst!

Übernimm Verantwortung, weil du es kannst!

Wenn ich Mani Matter wäre, würde ich ein Lied darüber schreiben, dass einiges schiefgelaufen sein muss, damit es soweit kommen konnte.

Während wir in der Schweiz regelmässig über Sachfragen entscheiden dürfen, unsere Vertreter aus veränderbaren Listen von Milizpolitikern auswählen und diese Politiker dann mittels Referendum kontrollieren können, sind andere Demokratien der Welt im XIX Jahrhundert stehen geblieben. Einst war es eine grosse Errungenschaft, dass die Macht nicht via Erbfolge oder Militärputsch weitergeben wurde und die repräsentative Demokratie war ein enormer Fortschritt. In einer zunehmend informierten, permeableren und anspruchsvolleren Gesellschaft scheint es vielen nicht mehr zu genügen, alle 4 oder 5 Jahre jemanden aus der Elite durch einen nicht modifizierbaren Wahlzettel zu legitimieren. Die reine repräsentative Demokratie generiert grossen Frust, Wutbürgertum und eine Kluft zwischen “den bösen da oben” und dem “verantwortungslosen Volk hier unten”. Die gefühlte und tatsächliche Ohnmacht der Bürger lässt sie in letzter Zeit immer wieder den „Einmalallevierjahrewahlzettel“ als Waffe gegen das Establishment und Ventil für ihre Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit verwenden. Das passive Delegieren von Legitimation, Macht und Verantwortung an eine kleine Gruppe Auserwählter reicht den meisten Menschen auf der Welt offenbar nicht mehr aus, daher verwenden sie die Gelegenheit der Wahlen, um die Mächtigen abzustrafen, auch wenn der Peitschenhieb sie am Ende selber trifft. Mangels aktiver Beteiligungs- und Mitbestimmungsinstrumente können viele Bürger in anerkannten Demokratien nicht anders, als ihren Unmut destruktiv an der Urne zu manifestieren. Diese Wut- und Protestwahlen jener, die zwar nicht ganz stimmlos, aber eben auch nicht mitgestaltungsberechtigt sind, endet im Populismus und Extremismus, unter anderem auch, weil keiner die Verantwortung übernehmen muss.

Das Schweizer Modell ist bei weitem nicht perfekt und voller Tücken, es bindet aber die Leute besser ein als die anderen mir bekannten Systeme, es lässt variable Sachkoalitionen zu und fördert die Verantwortung, für sich und für das Ganze. Wir sollten selbstbewusst aber nicht überheblich unser Modell im Ausland erklären und bewerben, aber auch intern immer wieder hinterfragen. Vor allem sollten wir es aber nutzen und pflegen.

 

Am 23. Oktober kann man in Basel die Regierung und das Parlament wählen. Natürlich kandidieren nicht die Besten und nicht die Klügsten und keine Partei passt perfekt zu dir, aber du hast die Wahl. Schon am 27. November dürfen wir wieder über Sachvorlagen entscheiden, wie etwa den Atomausstieg.

 

Gehe wählen!

Stimme ab!

(andere dürfen nicht)

 

Daniel Ordas

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Trece − dos =

By Daniele Zedda • 18 February

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