Keine Angst, die Katzen und Sonnenuntergänge kommen wieder!

Keine Angst, die Katzen und Sonnenuntergänge kommen wieder!

Der tägliche Blick in den Briefkasten und ins Facebook zeigen, dass ganz Basel im Wahlkampf ist. Ganz Basel? Wohl kaum. Wenn ich die Facebook-Seiten meiner Freunde betrachte, kommt es mir vor als ob alle meine Freunde für den Grossen Rat oder die Regierung kandidieren würden, oder aber eine Facebook-Pause machen, bis wir Wahlkämpfer uns wieder beruhigen.

Tatsächlich ist es schwer das Mittelmass zu finden und die Fotos von lackierten Zehennägeln im Sand, verschmusten Katzen und spektakulären Wanderrouten sind den photogeshopten Lächeln gewichen, das liegt in der Natur der Sache und ist bis zum 23. Oktober wohl OK.

Liebe unpolitische Freunde, die Backrezepte und Tramgesprächsprotokolle sowie die Kaugummidegustationsanalysen und Beziehungsstatusbewertungen eurer politischen Freunde kommen wieder, keine Angst.

Um dem virtuellen Wahlkampf zu entkommen und nicht zur Vortäuschung von Normalität ein Foto meiner Füsse mit Nagellack posten zu müssen, habe ich mich die letzten Tage ein wenig dem Verteilen von echten Flyern im echten Leben gewidmet und das ist fast so schlimm wie Facebook-Wahlkampf. Der Nahwahlkampf folgt klar definierten Regeln.
Kandidat sagt: „Darf ich Ihnen einen Flyer geben?“
Passant sagt: „Ja“
Kandidat denkt: „Frag mich was ich im Grossen Rat für den Weltfrieden und gegen die Klimaerwärmung machen werde!“
Passant denk: „Lass mich in Ruhe ich wohne in Binningen“

Diese 1zu1 Situationen können noch getoppt werden mit Massenauftritten vor Lebensmittelläden, wo drei bis vier Parteien einen kleinen Flyer-Parcours für Nahrungssuchende organisieren, die cleveren „Durchläufer“ behaupteten schon vor 3 Wochen, dass sie schon gewählt hätten, andere geben vor Ausländer zu sein und die wirklich Erfahrenen schnappen grosszügig lächelnd jeden hingestreckten Flyer. Diese Spiessrutenlauferfahrung macht man natürlich auch als Kandidat, wenn man in einem fremden Quartier einfach nur 2 Liter Milch kaufen will. „Hallo! Gib mir keinen Flyer ich bin selber Kandidat“ aber irgendwie hat man doch ein Herz und nimmt ihn lächelnd entgegen. Eigentlich sollte die Staatskanzlei allen Kandidaten ein Stirnband geben auf dem steht „Kandidat, nicht beflyern“ wahrscheinlich würde sich ein Schwarzmarkt für solche Stirnbänder entwickeln und gestresste Einkäufer würden vortäuschen Kandidat zu sein um nicht erklären zu müssen, warum sie keinen Flyer wollen.

Bleibt noch die Alternative Briefkastenstecken. Gibt es statistische Erhebungen die belegen, dass jemals jemand auf Grund eines Flyers im Briefkasten jemanden 3-mal auf die Liste geschrieben hat? Keine Ahnung, ich vermute eher wir tun es um uns zu beruhigen und uns sagen zu können „Ich habe alles gegeben“.

Letzte Chance bei persönlichen Kontakten bittibätteln. Schwierig! Wer mich kennt weiss dass ich kandidiere, wer mich vor 15 Jahren aus den Augen verloren hat, würde sich wundern, wenn ich jetzt zufällig anrufe. Man kann natürlich auch unzufällig anrufen und direkt sagen „Hi, lange nicht gehört, wähl mich doch“. Auch schwierig!

Liebe unpolitischen Freunde, ihr seht unser Kandidaten-Los ist nicht einfach, wir wollen nicht stören, wollen aber auch nicht später hören „wenn ich gewusst hätte, dass du kandidierst…“ darum bitte ich in meinem Namen und im Namen eurer anderen politischen Freunde um Nachsicht, wenn mal wieder mein Wahlflyer auf der Wall, vor der Migros oder im Briefkasten auftaucht.

Ich verspreche ab dem 23. wieder Paella-Rezepte und Gemüsegarten-Bilder zu posten und bin mir nicht so sicher, ob ihr die wirklich lieber habt.

PS: Katzenbilder kann ich nicht posten, weil unsere Katze den halben Tag bei einem FDP-Grossrat im Haus verbring und die andere Hälfte des Tages im Garten von Hans-Peter Wessels liegt.

Daniel Ordas

view all post
Leave a comment

Please be polite. We appreciate that.

16 − 2 =

By Daniele Zedda • 18 February

← PREV POST

By Daniele Zedda • 18 February

NEXT POST → 34
Share on